2011-09-09 00:05:46
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BLINDER DOPPEL‐WELTMEISTER STARTET BEIM 40. WOLFGANGSEELAUF

27 Kilometer über Stock und Stein, bergauf, bergab – für den blinden Spitzenläufer und ‚Licht für die Welt’‐Botschafter Francis Thuo Karanja aus Kenia kein Problem. Wird er doch beim 40. Wolfgangseelauf am Sonntag, dem 16. Oktober 2011, von seinem jüngeren Bruder James Karanja geführt. Mit einem Band am Handgelenk verbunden, laufen die Brüder im Gleichschritt um einen Top‐10‐Platz. Die besondere Herausforderung ist dabei sicher der Falkenstein, der mit einer Höhendifferenz von 250 m und einem steilen An‐ und Abstieg zwischen km 3 und km 6 selbst für Läufer mit Augenlicht schwierig zu laufen ist.
Der blinde Francis Thuo Karanja ist kein Unbekannter in der österreichischen Laufszene: Schon 2007 stellte er beim Graz Marathon zusammen mit seinem Bruder Paul in 1:10:02 Stunden einen neuen Blinden‐Weltrekord über die Halbmarathon Distanz auf. Dieses Jahr tritt er mit seinem jüngeren Bruder James erstmals im Salzkammergut beim Wolfgangseelauf an und verfolgt dabei ein großes Ziel: „5‐ und 10‐km‐Distanzen auf flachem Gelände sind unsere Stärke. 27 Kilometer mit steilen Anund Abstiegen sind Neuland für uns. Gerade deshalb trainieren wir schon seit Monaten für diesen Lauf und haben ein großes Ziel – einen Platz unter den ersten 10 zu erreichen!“, verkündet der 35‐jährige Kenianer ehrgeizig und fügt hinzu: „Als Botschafter von ‚Licht für die Welt’ laufe ich für alle blinden Menschen! Ich möchte zeigen, dass auch blinde Menschen Spitzenleistungen erbringen können, wenn sie von einer Organisation wie ‚Licht für die Welt’ gefördert werden.“

AUS ARMEN VERHÄLTNISSEN

Francis Thuo Karanja wird am 6. April 1975 in Nandi, einem Dorf im Westen Kenias, geboren. Im Alter von acht Jahren erblindet er in Folge von Malaria. Die Blindenschule muss er nach drei Jahren abbrechen, weil seine Eltern das Schulgeld nicht mehr bezahlen können. Oft reicht das Geld nicht einmal für eine warme Mahlzeit täglich. Francis jüngerer Bruder James schlägt sich als Landarbeiter durch und sieht seine Chance auf ein besseres Leben, wie so viele in Kenia, in einer möglichen Karriere als Spitzenläufer.




INTERNATIONALE ERFOLGE

James beginnt also mit dem Lauftraining und nimmt seine beiden Brüder mit. Paul und er laufen täglich mehr als 30 Kilometer. Immer mit dabei: ihr ebenso lauftalentierter, blinder Bruder Francis Thuo. Er hat um sein rechtes Handgelenk ein Band gebunden, das um die linke Hand eines seiner Brüder gewickelt ist. So wird aus dem blinden benachteiligten Francis Schritt für Schritt ein ernstzunehmender Spitzenläufer. 2006 wird das harte Training der Karanja‐Brüder erstmals mit großen internationalen Erfolgen belohnt: Bei der Leichtathletik‐ Weltmeisterschaft für behinderte Menschen im holländischen Assen gewinnen Francis Thuo und James Gold über 5.000 und 10.000 Meter.

2007 folgt in Österreich beim Graz Marathon der bisher größte Karriereschritt: Francis Thuo Karanja stellt, diesmal geführt von seinem Bruder Paul, in 1:10:02 Stunden einen neuen Halbmarathon‐Blinden‐Weltrekord auf. Das nächste Ziel: Die
Paralympischen Spiele 2012 in London, für die sich Francis Thuo Karanja im Jänner 2011 mit dem 2. Platz über 5.000 Meter bei den Weltmeisterschaften in Neuseeland qualifiziert hat. Francis Thuo Karanja: „Ich habe vor über 20 Jahren mit dem Laufen begonnen. Das ist ein langer Lauf. Aber er hat mich weit
gebracht. Als Blinder aus einem der ärmsten Länder der Welt bin ich zu einem anerkannten Spitzensportler geworden. Ich versuche, für andere Menschen mit Behinderungen in Entwicklungsländern ein Vorbild zu sein.“ Karanja lachend: Es ist möglich, ins Licht zu laufen!

 

GRÖSSTE ERFOLGE

2004: Paralympics‐Bronze in Athen (GRE) über 5.000 m in 16:05,38 Minuten
2006: 2 x WM‐Gold in Assen (NED) über 5.000 m in 15:33,86 und WM‐Gold über 10.000 m in 33:16,50 Minuten
2007: Blinden‐Weltrekord in Graz (AUT) am Halbmarathon in 1:10:02 Stunden
2008: Paralympics‐Silber in Peking (CHN) über 5.000 m in 15:32,28 Minuten
2011: WM‐Silber in (NZL) über 5.000 m in 16:00,00 Minuten

LICHT FÜR DIE WELT

‚Licht für die Welt’ – Christoffel Entwicklungszusammenarbeit ist eine international tätige österreichische Fachorganisation, die sich in 141 nachhaltig wirksamen Hilfsprojekten in Afrika, Asien, Lateinamerika und Südosteuropa für blinde und anders behinderte Menschen einsetzt. Arbeitsschwerpunkte sind die Prävention und Heilung von Blindheit und die Rehabilitation von blinden und anders behinderten Menschen. Im Jahr 2010 konnte ‚Licht für die Welt’ 19.000 behinderte Kinder rehabilitativ fördern und 40.700 Operationen am Grauen Star durchführen. Die Hilfe erreichte insgesamt 700.000 Menschen in den Armutsgebieten unserer Erde. Webtipp: www.licht‐;fuer‐die‐welt.at
Anm.: Bereits eine Spende von € 30,– an „Licht für die Welt“ ermöglicht eine Operation am Grauen Star. Mit € 25,– pro Monat kann man als Pate ein behindertes Kind fördern! Spendenkonto: PSK 92.011.650, BLZ 60.000

HERVORRAGENDES MELDEERGEBNIS

Eines steht schon jetzt fest: Der 40. Intern. Lauf Rund um den Wolfgangsee wird wieder eine ganz große Sache. Bis dato liegt man mit 1.100 Meldungen gegenüber dem Vorjahr weit voraus. Auch beim 1. Salzkammergut Marathon über die klassischen 42,195 km von Bad Ischl nach St. Wolfgang sind schon 120 Nennungen eingegangen. Achtung: Das Teilnehmerlimit am Marathon liegt bei 250 Teilnehmern! Das Organisationsteam rund um Franz Zimmermann rechnet insgesamt mit rund 2.800 Meldungen.

Detailinfos, Fotos, Logos und Statistiken:
www.wolfgangseelauf.at


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